Lünenschloss

Lünenschloss



Das Lünenschloss – geschichtsträchtiger Bau mit modernem Gesicht

Das Lünenschloss oder „et Lüneschloat“, wie es im Dialekt heißt, war einst eines der eindrucksvollsten Häuser der Stadt. Die aufwendig gestaltete Fassade des Renaissance-Baus aus dem 17. Jahrhundert mag die Heinsberger an ein Schloss erinnert haben – dies ist jedoch nicht der Ursprung des Namens. Vielmehr wurde es lange Zeit von der protestantischen Familie Lünenschloß bewohnt. Hier hatte sie ein repräsentatives Domizil gefunden, das ihrer gesellschaftlichen Bedeutung angemessen war.

Johannes Lünenschloß war ein reformatorischer Prediger in Heinsberg. Für die Gemeinde nahm er an der Duisburger Generalsynode im Jahr 1610 teil, dem ersten Zusammentreffen der reformierten Gemeinden im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg. Im Jahr 1614 verließ er Heinsberg und ließ sich als Pastor in Solingen nieder.

Der Kaufmann Ludgerus Lünenschloß der Ältere gehörte zur protestantischen Elite Heinsbergs im 18. Jahrhundert. Sein Grabstein befindet sich heute in der evangelischen Christuskirche. Ihn ziert ein stolzes Wappen mit drei Türmen, die auf den Namensbestandteil „Schloss“ anspielen. Ludgerus Lünenschloß der Jüngere war als Notar ein ebenso bedeutendes wie angesehenes Mitglied der Heinsberger Gesellschaft. Dieser Familienzweig bewohnte das Haus im 19. Jahrhundert.

Der letzte Besitzer war der Fabrikant Robert Blancke. In den 1930er Jahren ließ er das verfallene Lünenschloss renovieren: Es wurde wieder zu einem der schönsten Häuser der Stadt.

Das Lünenschloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Vor allem die Fassade war nicht mehr zu retten und wurde vollständig neu gestaltet. Hinter diesem modernen Antlitz befindet sich aber immer noch die Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert. Genutzt wird das Lünenschloss heute durch die Stadt Heinsberg.