Altes Amtsgericht



Altes Amtsgericht – vom Landratsamt zum Wohn- und Geschäftshaus

Von 1936 bis 1993 befand sich an der Sittarder Straße 1 das Heinsberger Amtsgericht. Die Geschichte des Bauwerks geht jedoch weiter zurück: Es wurde im Jahr 1912 nach den Entwürfen des Architekten und späteren Aachener Dombaumeisters Joseph Buchkremer als Landratsamt für den Kreis Heinsberg errichtet. Buchkremer war seinerzeit ein gefragter Architekt und im In- und Ausland vor allem für seine zahlreichen Sakralbauten bekannt. Als die Kreise Heinsberg und Geilenkirchen am 1. Oktober 1932 zusammengelegt wurden, verlor das Bauwerk an der Sittarder Straße seine Aufgabe. Das Landratsamt zog aus, die Räume blieben vorübergehend ungenutzt

Die Geburtsstunde des Amtsgericht Heinsberg schlug im Jahr 1878. Mit Verordnung vom 26. Juli 1878 richtete Preußen 215 Amtsgerichten ein. Als Gerichtslokal erwarb die Stadt Heinsberg von Landrat Wilhelm Leopold Janßen einen zweigeschossigen Ziegelbau an der Hochstraße. Im November 1878 wurde das frühere Wohnhaus, das aus dem 18. Jahrhundet stammte, zur Einrichtung des Heinsberger Amtsgerichts vermietet. Es blieb für mehr als 50 Jahre Sitz des Gerichts.

Als die Justizverwaltung in den 1930er Jahren nach großzügigeren Räumlichkeiten Ausschau hielt, fiel der Blick auf das ehemalige Landratsamt. Die Bemühungen, das Gebäude zu erwerben, scheiterten, weil das Reichsfinanzministerium nicht die benötigten Gelder für eine Finanzierung des Kaufs genehmigte. Daraufhin wurde das ehemalige Landratsamt angemietet und ab dem 10. März 1936 als Amtsgericht genutzt.

Rund 50 Jahre später reichte das Raumangebot jedoch nicht mehr aus, ein Neubau des Amtsgerichts an der Schafhausener Straße 47 wurde geplant. Im Frühjahr 1993 konnte dieser schließlich bezogen werden.

Das alte Amtsgericht an der Sittarder Straße befindet sich heute in Privatbesitz und wird als Wohn- und Bürohaus genutzt.